Anästhesie, Vollnarkose - Was gibt es zu berücksichtigen?

Eine verständliche Erklärung für Patienten

Dr. med. Vincenzo Nicotra, Facharzt für Anästhesiologie

Vollnarkosebehandlung bei Zahnphobie

Eine Vollnarkose versetzt den Menschen in einen tiefschlafähnlichen Zustand, in dem Schmerzempfinden und Bewusstsein vorübergehend ausgeschaltet werden. Dies wird mit Medikamenten ermöglicht, die gut verträglich sind und nur kurz im Körper verbleiben. Während einer Vollnarkose übernimmt ein Narkosegerät die Beatmung und führt lebensnotwendigen Sauerstoff zu.

Klingt einfach. Aber wie funktioniert das?

In unserer Praxisklinik werden die, für die Narkose benötigten Medikamente über einen venösen Zugang per Infusion verabreicht. Bevor es soweit ist, sind Sie aber schon in einem völlig entspannten Zustand, da Sie schon in unserem „Wohnwartezimmer“ angstlösende Medikamente bekommen haben. Zeitgleich erhalten Sie vor der Operation prophylaktisch abschwellende und schmerzstillende Mittel.
Im OP Raum angelangt, wird eine Kombination aus Schmerzmittel, einem Schlaf erzeugendem Medikament und einem muskelentspannendem Mittel über eine Infusion am Unterarm zugeführt. Das Legen dieses intravenösen Zugangs spüren Sie fast gar nicht mehr oder es wird von den meisten Patienten nicht wahrgenommen oder wieder vergessen.
Kurz nach dem Sie eingeschlafen sind, werden die für die Zahnbehandlung bereits vorbereiteten Instrumente gebracht. Die sehen Sie also nicht mal...
Die verabreichten Narkosemedikamente wirken hauptsächlich im Zentralen Nervensystem.
Dadurch werden die für eine Narkose wichtigen Zustände erzielt:

  • Schmerzfreiheit (Analgesie)
  • Schlaf (Hypnose)
  • Verlust der Erinnerung (Amnesie)
  • Dämpfung des vegetativen Nervensystems (z.B. Puls- und Blutdruckanstieg,
    Regulierung der Körpertemperatur, Schweißproduktion u.a.)
  • Entspannung der Körpermuskulatur (Relaxierung)

Ist der Patient tief eingeschlafen, wird er intubiert. Das heißt, es wird ein Beatmungsschlauch (Tubus) eingeführt, über den die Sauerstoffzufuhr erfolgt. Vor der Passage des Tubus zwischen den Stimmbändern, wird ein Muskelrelaxans verabreicht, das zur Entspannung der Kehlkopfmuskulatur und der Skelettmuskulatur führt.
Um eine ungehinderte,  zahnärztliche Behandlung gewährleisten, wenden wir die spezielle Technik der „nasalen Intubation“ an. Hierbei wird der Tubus über die Nasenöffnung und nicht über die Mundhöhle eingeführt. Eine Technik für die man Geschick und Erfahrung benötigt.

Sie merken aber von diesem Schritt nichts mehr.

In der darauffolgenden Zeit orientiert sich die Gabe von Schlaf- und Schmerzmitteln an den Überwachungsparametern und der Art des Eingriffs. In einer permanenten Kommunikation sprechen Zahnarzt und Narkosearzt die nächsten Schritte ab. Bei „schmerzhaften“ Phasen (z.B. wenn ein Zahn extrahiert werden muss), vertieft der Anästhesist die Narkose, während bei  kleineren Maßnahmen (z.B. einer Füllung) die Narkose relativ flach gehalten wird. So verläuft unsere Narkose in einer Art Wellenform. Dies entlastet den Organismus und verringert das Auftreten von Nebenwirkungen. Der Patient kann deshalb bei allgemeinem Wohlbefinden früher nach Hause entlassen werden.

Während der gesamten Narkose findet eine fortlaufende Überwachung der lebensnotwendigen Parameter statt -  das sogenannte Monitoring. Sämtliche für die  körperlichen Funktionen notwendigen Werte  wie Blutdruck, Puls, Sauerstoffsättigung, Körpertemperatur usw. werden kontinuierlich von speziellen Überwachungsgeräten und von einem erfahrenen Narkosearzt überwacht und aufgezeichnet. Ein Zustand der viel mehr Sicherheit garantiert als ein schlecht überwachter Eingriff eines psychisch angespannten Patienten, der eine örtliche Betäubung erhalten hat. „Narkosepatienten“ geht es am Tage nach der Behandlung meist besser als den örtlich betäubten Patienten bei vergleichbaren Eingriffen.

Die absolute Schmerzfreiheit, die Tatsache kein Operationsgeschehen mit erleben zu müssen und das ungestörte, zügige Arbeiten des Zahnarztes, sind die wesentlichen Vorteile, die für einen Eingriff in Vollnarkose sprechen.

Zum Ende der Operation steuert der Anästhesist die Gabe der Narkosemedikamente so, dass schon wenige Minuten nach Operationsende die Aufwachphase des Patienten beginnt.

Erst wenn der Beatmungsschlauch entfernt ist, kommen Sie langsam wieder zu Bewusstsein. Dies in einem Zustand völliger Schmerzfreiheit...

Dann werden Sie in den Aufwachraum gebracht. Hier können Sie ganz in Ruhe ausschlafen und entspannen. Auch hier passen wir gut auf Sie auf. So lange bis Sie nach einer Röntgenkontrolle, in Begleitung einer erwachsenen Person Ihrer Wahl, wieder nach Hause gehen können. Dies in der Regel etwa zwei Stunden nach Beendigung des Eingriffs.

Klingt angenehm, oder? – Ist es auch!

Für die allgemeinen Verhaltensmaßnahmen vor einem Eingriff  in Vollnarkose lesen Sie bitte den Aufklärungsbogen durch, den Sie auch problemlos ausdrucken können.

„Für mich war die Behandlung in Vollnarkose der Beginn eines neuen Lebens.“

Schlafen Sie doch während wir an Ihren Zähnen arbeiten. Die ambulante Vollnarkose - eine angenehme Möglichkeit während des Schlafens angstfrei und schmerzfrei traumhafte Zähne zu erlangen.